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„Ernst Carmelle – Very angenehme Konzeptkunst“Herford -

Was ist Wirklichkeit, was nur Schein? Bei den raffinierten Wandgemälden des in Tirol geborenen Künstlers Ernst Caramelle (*1952) verschwimmen diese Grenzen. In der stillen und zugleich eindrucksvollen Einzelausstellung „Very angenehme Konzeptkunst“ zeigt Marta Herford anhand von Zeichnungen, Film, „Lichtarbeiten“ sowie einer eigens für die Lippold-Galerie konzipierten Wandmalerei Caramelles gewitzte und verblüffende Konzeptkunst. Als bedeu-tender Vertreter dieser Stilrichtung führt Caramelle die Betrachter*innen durch illusionistische Doppeldeutigkeiten gekonnt in die Irre, die nur durch genaues Hinschauen aufzulösen sind.

Was ist Wirklichkeit, was nur Schein? Bei den raffinierten Wandgemälden des in Tirol geborenen Künstlers Ernst Caramelle (*1952) verschwimmen diese Grenzen. In der stillen und zugleich eindrucksvollen Einzelausstellung „Very angenehme Konzeptkunst“ zeigt Marta Herford anhand von Zeichnungen, Film, „Lichtarbeiten“ sowie einer eigens für die Lippold-Galerie konzipierten Wandmalerei Caramelles gewitzte und verblüffende Konzeptkunst. Als bedeu-tender Vertreter dieser Stilrichtung führt Caramelle die Betrachter*innen durch illusionistische Doppeldeutigkeiten gekonnt in die Irre, die nur durch genaues Hinschauen aufzulösen sind.

„Alles ist in Wirklichkeit nicht wirklich!“ (Ernst Caramelle)
Bereits seit den 1970er Jahren arbeitet Ernst Caramelle mit den Strategien der klassischen
Konzeptkunst, bei der nicht die Ausführung, sondern die Idee eines Kunstwerkes im Vordergrund steht. Dabei überträgt er die Elemente dieser Gattung in die Gegenwart und erweitert sie um ironische, sinnliche oder poetische Momente – so auch bei der installationshaften Malerei, die eigens für Marta Herford entworfen wurde und den Mittelpunkt der Ausstellung bildet.
Aus der Ferne erscheint sie wie ein zweidimensionales Werk und offenbart sich erst beim
Herantreten als ein großflächiges Wandgemälde, das sich in einem dahinterliegenden Raum
befindet.
Wo endet die Malerei und wo beginnt der Ausstellungsraum? Mit Hilfe von Verdopplungen, Symme-trien und Spiegelbildern löst Ernst Caramelle diese Grenzen auf. Zuvor berechnet der Künstler Größenverhältnisse, Perspektive und entsprechende Blickwinkel in Proportion zum geschaffenen architektonischen Raum. Die freskoartige Anmutung seiner Wandmalereien entsteht durch das Auftragen und teilweise wieder Abwaschen von wasserlöslicher Farbe, die er zum Teil mit Hilfe von Schwämmen direkt auf die Wand bringt. Wie beinahe alle seine Wandmalereien ist auch das Werk für Marta Herford nur für die Dauer der Ausstellung bestimmt.
Auch Caramelles zeichnerisches Werk spielt mit der Perspektive und der Position des Betrachters. Die in der Ausstellung gezeigten vier Zeichnungen auf Karton (sogenannte Gesso-Pieces), ergeben aus wenigen Linien zusammengesetzt ein Gesicht—bestehend aus zwei Postkarten als Augen und einem Strich als Mund. Mit ganz einfachen und unauffälligen Mitteln stellt
Caramelle auf subtile Weise Fragen nach Anschauen und Angeschaut werden, nach dem Sichtbarem und dem Verborgenen.
Die Blätter der Reihe „Lichtarbeiten“ bzw. „Sonne auf Papier“ lösen sich von dem perspektivisch-illusionistischen Anspruch und beziehen viel mehr die Zeit als wesentlichen Faktor bei der Umset-zung ein. Über mehrere Monate legt der Künstler dabei farbige Papiere in die Sonne, die vorher partiell durch zickzackförmige Schablonen abgedeckt wurden. Durch die unterschiedliche Sonnen-einstrahlung und Positionierung sind der Entstehungsprozess und somit die entstandenen Werke nie gleich.
Anfang der 1970er Jahre begann Ernst Caramelle mit dem Medium Video zu arbeiten, hierbei zählt seine ironische Installation „Video Ping-Pong“ als wichtiges Werk dieser frühen Gattung. Mittlerweile hält Caramelle als aufmerksamer Beobachter kleine Veränderungen oder Auffälligkeiten in seiner Umgebung filmisch fest. Ob die Betrachter*innen dabei eine real vorgefundene Situation sehen oder ob sie vom Künstler inszeniert wurde, bleibt offen.