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Lehrermangel ist vorprogrammiert!Kreis Herford -

Lehrermangel schon jetzt an den Grundschulen Wirklichkeit.

Die Schülerzahlen steigen, die Klassen werden heterogener und viele erfahrene Lehrkräfte gehen in den Ruhestand. Während an den weiterführenden Schulen erst gegen Mitte des nächsten Jahrzehnts ein Lehrerengpass entstehen wird, spüren die Grundschulen schon heute den Schüler-Boom. Die Bertelsmann-Studie zeigt, dass bereits bis 2025 ca. 35.000 Lehrkräfte in Grundschulen fehlen.

Wie kann ein Lehrermangel noch abgewendet werden?

35.000 reguläre Lehrkräfte fehlen in unseren Grundschulen bis zum Jahr 2025

Insgesamt müssen bis einschließlich 2025 knapp 105.000 Grundschullehrer neu eingestellt werden. Davon entfallen etwa 60.000 auf den Ersatz ausscheidender Lehrkräfte.

26.000 Lehrer werden außerdem benötigt, um den Unterricht bei steigenden Schülerzahlen aufzufangen.

Für den Ausbau von Ganztagsschulen werden weitere 19.000 Lehrer benötigt.

Allerdings schließen im gleichen Zeitraum nur 70.000 Absolventen ihr Lehramts-Studium ab. Damit fehlen den Grundschulen mindestens 35.000 regulär ausgebildete Lehrkräfte.

Erst ab 2026 zeichnet sich Entspannung ab.

Ist es bis dahin zu spät?


Anreize für Mehrarbeit und verlängerten Einsatz von Pensionären schaffen Während der Anstieg der Schülerzahlen an den weiterführenden Schulen erst gegen Mitte des nächsten Jahrzehnts ankommen wird, spüren die Grundschulen schon heute den Schülerboom. Mit Blick auf den kurzfristigen Bedarf sollten die Länder deshalb vor allem Anreize dafür setzen, dass erfahrene Lehrkräfte mehr unterrichten – insbesondere Teilzeitkräfte und an–gehende Pensionäre.

Fast vierzig Prozent aller Grundschullehrkräfte – überwiegend sind es Frauen – arbeiten in Teilzeit. Voraussetzung für eine Deputatsaufstockung von Teilzeitkräften sind u. a. verlässliche Betreuungsmöglichkeiten der Kinder von Lehrkräften. Zudem sollten sie von nicht unterrichtsbezogenen Aufgaben durch andere pädagogische Mitarbeiter in den Schulen entlastet werden. Potenzial gibt es auch bei Lehrkräften an der Schwelle zum Ruhestand. Durch bessere Möglichkeiten des Hinzuverdienstes könnten befristet zusätzlich erfahrene Lehrkräfte für den Unterricht gewonnen werden.

Allerdings basieren die möglichen Maßnahmen mit Blick auf Teilzeitkräfte und Pensionäre auf Freiwilligkeit, so dass ihr Effekt nicht genau zu prognostizieren ist. Um dem sich verschärfenden Lehrermangel zu begegnen, braucht es deshalb zusätzlich Maßnahmen: Seiteneinsteiger müssen für den Einsatz an Grundschulen gewonnen werden.

Flexible Wege in den Schuldienst ohne Qualitätseinbußen Schon heute unterrichten in der Primarstufe, dort wo der Lehrermangel groß ist, Fachkräfte ohne Studium des Grundschullehramts. Angesichts der besonderen pädagogischen Herausforderungen bedarf es der sorgfältigen Auswahl, Qualifizierung und Begleitung von Seiteneinsteigern. „Flexible Zugangswege zum Lehrerberuf und pädagogische Qualität dürfen nicht im Widerspruch stehen. Wir brauchen einheitliche Standards für die Qualifizierung von Seiteneinsteigern. Dazu gehört auch genügend Zeit für berufsbegleitendes Lernen und für das Men–toring durch erfahrene Kollegen“, sagt Dräger.

Die Studienautoren machen deutlich, dass der Lehrermangel regional unterschiedlich ausfällt und die weitere Entwicklung von Unsicherheiten geprägt bleiben wird. Deshalb, so Dräger, müsse der lokale Bedarf in regelmäßigen Abständen aktualisiert und prognostiziert werden.


Zusatzinformationen

Für die Studie „Lehrkräfte dringend gesucht Bedarf und Angebot für die Primarstufe“ haben Klaus Klemm und Dirk Zorn den Bedarf an neu einzustellenden Grundschullehrkräften bis zum Jahr 2030 abgeschätzt und mit der zu erwartenden Zahl regulärer Absolventen der leh–rerbildenden Hochschulen abgeglichen. Grundlagen ihrer Berechnung für die Primarstufe bilden dabei neben der von den beiden Autoren im Juli 2017 vorgelegten Vorausschätzung zur Entwicklung der Schülerzahlen auch die im Oktober 2017 veröffentlichte Kalkulation zum qualitätsvollen weiteren Ausbau der Ganztagsschule. Außerdem berücksichtigen sie den Ersatzbedarf durch aus dem Schuldienst ausscheidende Lehrkräfte. Die in der Studie enthalte–nen Empfehlungen zu kurzfristig wirksamen Maßnahmen gegen den prognostizierten Lehrer–mangel wurden vorab in zahlreichen Gesprächen mit Verbändevertretern und Experten er–gänzt und plausibilisiert.