HERFORD - aktuell


Schlechte Noten zum Thema NachhaltigkeitKreis Herford -

Kommunen gehen das Thema Nachhaltigkeit aus Sicht der Bürger nur schleppend an.

Jeder Zweite hat nicht den Eindruck, dass seine Kommune dem Thema Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert beimisst. Dabei ist Nachhaltigkeit für die überwiegende Mehrheit der Deutschen ein persönlich wichtiges Anliegen, für das sie sich sogar selbst einsetzen würden. Am 7. und 8. Dezember treffen sich Vertreter aus Kommunalpolitik und -verwaltung auf dem Kommunalkongress in Düsseldorf. Wo besteht Handlungsbedarf?

 

eder zweite Deutsche (57 Prozent) hat nicht das Gefühl, dass sich die Politik der eigenen Stadt oder Gemeinde besonders für eine nachhaltige Entwicklung engagiert. Dabei stufen 81 Prozent der Bürger das Thema Nachhaltigkeit als persönlich wichtig ein und immerhin noch 67 Prozent signalisieren eine große Bereitschaft, sich für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen. Dies ergab eine repräsentative Befragung von Kantar Emnid, die im Rahmen des „Monitors Nachhaltige Kommune“ von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegeben wurde.

Nachhaltigkeit bedeutet dabei für vier von fünf Bürgern (81 Prozent), dass bei politischen Entscheidungen alle Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Umwelt und die Gesellschaft sowie die Interessen der künftigen Generationen berücksichtigt werden.

Kommunen gehen Klimaschutz, Armutsbekämpfung und Wohnraumversorgung nur zögerlich an

Die Bürger haben sehr konkrete Vorstellungen davon, welche kommunalen Aufgaben vorrangig angegangen werden müssten: Klimaschutz (77 Prozent), die Bekämpfung der Armut (75 Prozent) und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum (73 Prozent). Gerade bei diesen Themen geben die Befragten jedoch an, dass die Kommunen bei der Umsetzung eher hinterherhinken: Klimaschutz beispielsweise wird nur von 38 Prozent als gut umgesetzt angesehen, die Bekämpfung der Armut von 37 Prozent und die Schaffung bezahlbaren Wohnraums von 36 Prozent.

„Politik und Verwaltung müssen den Themen Klimaschutz, Armutsbekämpfung und bezahlbarer Wohnraum mehr Aufmerksamkeit schenken. Die Menschen in den Kommunen sind von diesen Faktoren direkt betroffen“, so Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. „Wir in Deutschland müssen lernen, die Bürger in der Problemlösung vor Ort bewusst mit einzubeziehen und sie aktiv an der Gestaltung der Lebensräume zu beteiligen.“

Städte und Gemeinden können Bereitschaft der Bürger zu mehr Engagement nutzen
Die Verantwortlichen aus Kommunalpolitik und -verwaltung könnten auf die große Bereitschaft der Bürger zählen, sich für mehr Nachhaltigkeit zu engagieren. Besonders groß ist die Einsatzbereitschaft bei den Befragten mit mittleren und höheren Bildungsabschlüssen (70 Prozent), aber auch in bildungsferneren Schichten sind noch mehr als die Hälfte der Menschen bereit, sich persönlich einzubringen (52 Prozent).

Digitalisierung bietet Chancen für nachhaltige Entwicklung und Bürgerbeteiligung

Zwei Drittel der Bürger sind der Meinung, dass neue Technologien die nachhaltige Entwicklung in ihrer Stadt beziehungsweise Gemeinde befördern. Dies gilt für alle Altersgruppen, wobei die Zustimmung bei den Befragten zwischen 30 und 39 Jahren mit 74 Prozent besonders hoch ist.

Bei der Frage, in welchen Bereichen die Digitalisierung eine nachhaltige Entwicklung in der Kommune besonders unterstützen könnte, geben die Bürger unter anderem folgende Themen an: Bildung (80 Prozent), Wirtschaft (77 Prozent), Arbeitsabläufe im Rathaus (67 Prozent) und Klimaschutz (66 Prozent). Zwei von drei Befragten sind zudem der Auffassung, dass neue Technologien auch ihre Beteiligung in kommunalen Angelegenheiten verbessern könnte.

Handlungsempfehlungen für Kommunalverantwortliche beim Thema Nachhaltigkeit

Aus den Befragungsergebnissen können vier Handlungsempfehlungen für die Verantwortlichen in Städten und Gemeinden abgeleitet werden. Aus Sicht der Bürger sollten Kommunalverantwortliche

die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung intensiver vorantreiben,
die Themen Klimaschutz, Armutsbekämpfung und bezahlbarer Wohnraum bei Nachhaltigkeitskonzepten verstärkt berücksichtigen,
die Bereitschaft der Bürger, sich persönlich für mehr Nachhaltigkeit vor Ort zu engagieren, stärker nutzen und
digitale Technologien zur Lösung von Fachproblemen, aber auch für eine verbesserte Bürgerbeteiligung einsetzen.

Kirsten Witte, Kommunalexpertin der Bertelsmann Stiftung, appelliert: „Die Kommunalverantwortlichen sollten neue digitale Möglichkeiten stärker für nachhaltige Problemlösungen einsetzen. Mehr Nachhaltigkeit in unseren Kommunen ist möglich.“

Am 7. und 8. Dezember treffen sich 2.000 Verantwortliche aus Politik und Verwaltung, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen auf dem Deutschen Nachhaltigkeitstag – davon rund 300 auf dem Kommunalkongress „Kommune 2030 – nachhaltig und digital“ der Bertelsmann Stiftung, der in diesem Rahmen stattfindet.

 

 

 

 


Zusatzinformationen:

Das Projekt „Monitor Nachhaltige Kommune“ der Bertelsmann Stiftung verfolgt das Ziel, regelmäßig Transparenz über den Stand und die Perspektiven der nachhaltigen Entwicklung in deutschen Kommunen herzustellen. Die Ergebnisse werden einmal pro Jahr in einem Monitorbericht veröffentlicht. Darüber hinaus werden praktische Arbeitshilfen und Indikatoren für Kommunalverantwortliche und ihr Nachhaltigkeitsmanagement entwickelt. Das Projekt orientiert sich an der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Die Skalierung und Evaluierung der Projektergebnisse wird von „Engagement Global“ mit ihrer Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziell gefördert.

Für die repräsentative Bürgerbefragung, die in diesem Jahr Teil des Monitorberichts ist, hat Kantar Emnid am 20. und 21. Oktober 2017 insgesamt 1.006 telefonische Interviews durchgeführt. Die Befragung ist repräsentativ für die deutschsprachige Bevölkerung in Privathaushalten ab 14 Jahren.