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Transthorakale Wirbelsäulenstabilisierung???Herford -

An Herz und Lunge vorbei - Defekte Wirbelsäule mit vier Mini-Schnitten stabilisiert

OP-Pfleger Waldemar Heidel reicht das OP-Besteck - Transthorakale Wirbelsäulenstabilisierung???

OP-Pfleger Waldemar Heidel reicht das OP-Besteck bei der Transthorakale Wirbelsäulenstabilisierung

Langsam schiebt Dr. Denstorf-Mohr die Kamera durch einen kleinen Schnitt am seitlichen Brustkorb des Patienten vor. Sie macht ihm das Operationsgebiet im inneren des Körpers sichtbar. Früher hat man für solche Operationen den halben Brustkorb öffnen, das Zwerchfell durchscheiden müssen, heute reichen vier kleine Schnitte. Transthorakale Wirbelsäulenstabilisierung nennt man diesen Eingriff in der Fachsprache. Mehr als 500 solcher Operationen hat Dr. Rainer Denstorf-Mohr, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie im Klinikum Herford, bereits durchgeführt.

Der Patient, Adam Mester, erlitt vor einem halben Jahr während eines Unfalls einen Wirbelsäulenbruch. Der Knochen des 56-Jährigen wurde operativ stabilisiert, eine spätere Kontrolluntersuchung zeigte eine instabile Stelle. Auf dem Röntgenbild erkennt auch der Laie das kleine, dunkle Loch. Während der Operation im Klinikum wird deutlich, dass dort, wo Knochen sein sollte, nur Bindegewebe zu finden ist. „Das Bindegewebe wird nun eingeschickt und untersucht, um ausschließen zu können, dass ein Infekt die Ursache ist“, erklärt Dr. Denstorf-Mohr.
Nachdem das weiche Gewebe entnommen wurde, bleibt ein kleines Loch im Wirbelkörper, das mit einem Implantat aus Kunststoff und Titan ausgefüllt wird. Vorher bestimmen der Chefarzt und sein Oberarzt Thorsten Held die passgenaue Größe. Die Röntgenkontrolle zeigt: Das Implantat sitzt perfekt.

Nur wenige Tage nach der Operation läuft Adam Mester ohne Hilfe, lediglich in Begleitung seiner Physiotherapeutin.

Nur wenige Tage nach der Operation läuft Adam Mester ohne Hilfe, lediglich in Begleitung seiner Physiotherapeutin.

 

 

Nicht einmal eineinhalb Stunden hat die minimalinvasive OP bis jetzt gedauert, für die man früher viele Stunden gebraucht hätte. Vor allem eine Belastung für den Patienten.
Dr. Denstorf-Mohr zieht die Kamera langsam aus dem Brustkorb, während Anästhesist Dr. Egbert Schlüter den linken Lungenflügel von Adam Mester wieder mit Luft befüllt.

(vl.) Dr. Rainer Denstorf-Mohr und Dr. Thorsten Held während der OP.

(vl.) Dr. Rainer Denstorf-Mohr und Dr. Thorsten Held während der OP.

 

Ohne das Kollabieren des Lungenteils hätten Dr. Denstorf-Mohr und Dr. Held die Wirbelsäule ihres Patienten nicht operieren, nicht einmal einsehen können. Zu gedrungen liegen die Organe des Menschen im Körper Seite an Seite. „Wir sind hier wirklich mittlerweile ein eingespieltes Team. Ohne das Zusammenspiel zwischen OP-Schwestern und Pflegern, Anästhesisten und uns Operateuren wären diese Operationen gar nicht möglich“, sagt Dr. Denstorf-Mohr.

(Text und Foto: Klinikum Herford)